Regionalisierung der UN-Generalversammlung?

Nicolas Burmester & Michael Jankowski (Universität Hamburg)

Abstract:

Die zunehmende wissenschaftliche Diskussion um den Aufstieg regionaler Führungsmächte und regionaler Staatenbünde (bspw. ASEAN) findet bislang kaum Berücksichtigung in der Analyse der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UNGA). Dies ist verwunderlich aus zweierlei Gründen: Erstens bietet die UNGA, als einziges Gremium der UN in dem alle Mitglieder gleichstark repräsentiert sind, ein einzigartiges Forschungsfeld zur Beobachtung von Staatenverhalten in den IB (hierzu insb. Voeten 2000, 2004, 2012). Zweitens wurde die bisherige Forschung in den IB stets an das Verhalten von Staaten in der UNGA rückgebunden; hinsichtlich des Aufstiegs regionaler Staatenbünde und regionaler Führungsmächte blieb diese Rückkoppelung bislang jedoch aus bzw. beschränkte sich maßgeblich auf die Analyse der EU in der UNGA (Luif 2003; Jakobsson 2009; Hosli et al. 2011).

Weitestgehend unbestritten ist die aktuell häufig rezipierte These, wonach das internationale System sich nach dem Ende des Kalten Krieges zu einem vermehrt multipolaren System wandle (Nolte 2006; Destradi 2010; Flemes/Nolte 2010). Welche Effekte diese Entwicklung zunehmender Regionalisierung auf die UNGA hat, wurde bislang jedoch noch nicht untersucht. Unser Tagungsbeitrag adressiert diese Leerstelle.

Insbesondere gehen wir zwei Fragen nach. Zunächst wird anhand der Analyse von Abstimmungsverhalten in der UNGA die Abstimmungskohärenz innerhalb von Regionalbündnissen überprüft. Hierdurch kann der theoretischen Frage nachgegangen werden, inwieweit regionale Integration auch zu einer gesteigerten Interessenshomogenisierung dieser Staaten in der UNGA führt. In einem zweiten Schritt analysieren wir thematische Differenzen im Abstimmungsverhalten von Staaten in der UNGA und gehen dabei auch auf das Verhältnis von Staatenbündnissen und regionalen Führungsmächten/aufstrebenden Staaten ein. Ein Beispiel hierfür bieten Konstellationen im ostasiatischen Raum (ASEAN, China, Japan).

Zusammenfassend liefert unser Beitrag sowohl theoretische als auch empirische Einblicke über die Abhängigkeit der UNGA von internationalen Staatenkonstellationen und bindet diese rück an die derzeitige Debatte um eine zunehmend multipolare Weltordnung. Darüber hinaus werden in unserem Beitrag Methoden zur Kohärenz- und inhaltlichen Distanzmessung beim Abstimmungsverhalten innerhalb von Parlamenten diskutiert.

Der Konferenzbeitrag ist ein Auszug aus dem in Vorbereitung befindlichen, gemeinsamen Masterarbeitsprojekt.

Über die Autoren:

Nicolas Burmester, B.A., studierte Politikwissenschaft und Philosophie an der Freien Universität Berlin und der Universität Hamburg. Seit 2011 studiert er an der Universität Hamburg und der Aarhus University den Masterstudiengang Politikwissenschaft. Er ist aktuell als studentischer Mitarbeiter am Lehrstuhl für Internationale Politik der Universität Hamburg bei Prof. Dr. Cord Jakobeit tätig.

Kontakt: [email protected]

Michael Jankowski, B.A., studiert den Masterstudiengang Politikwissenschaften an der Universität Hamburg. Er ist Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung und Mitverfasser einer von der Hamburgischen Bürgerschaft in Auftrag gegebenen Studie zur Evaluation des neuen Hamburger Wahlrechts bei der Bürgerschaftswahl 2011. Des Weiteren war er langjähriger Mitarbeiter von Bundes- bzw. Bürgerschaftsabgeordneten in Hamburg. Derzeit ist er an der Helmut-Schmidt-Universität am Lehrstuhl für Internationale Politik bei Prof. Dr. Annette Jünemann tätig.

Kontakt: [email protected]

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