4. Gesprächskreis

4. UN Studies-Gesprächskreis mit Ingrid Lehmann, Universität Salzburg und ehemalige Mitarbeiterin beim UN Department of Public Information (17. Dezember 2012).

Zwischen Twitter und Pressemitteilung? Herausforderungen der    Öffentlichkeitsarbeit der Vereinten Nationen im 21. Jahrhundert

Welche Funktionen erfüllt die Öffentlichkeitsarbeit und offizielle Kommunikation der Vereinten Nationen und vor welchen Herausforderungen steht diese dabei? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der 4. UN Studies-Gesprächskreis, bei dem Ingrid Lehmann aus ihrer langjährigen Erfahrung beim UN Department of Public Information berichtete. Frau Lehmann zeichnete dabei ein recht kritisches Bild der Öffentlichkeitsarbeit der Vereinten Nationen.

In den letzten Jahrzehnten sei die Bedeutung der öffentlichen Meinung für die Außenpolitik von Staaten und das Agieren internationaler Organisationen stark gestiegen. Dazu habe nicht zuletzt die technologische Revolution in der Medienberichterstattung beigetragen. Aber auch die Öffentlichkeitsarbeit der Vereinten Nationen selbst trage dazu bei, dass eine Weltöffentlichkeit entstünde. Dabei schaffte es das Sekretariat jedoch in der Regel nicht, einen überwiegend positiven Eindruck von der eigenen Arbeit zu vermitteln.

Dies machte Ingrid Lehmann an verschiedenen Herausforderungen fest. Trotz der Bemühungen der Vereinten Nationen sei die öffentliche Meinung zu ganz überwiegendem Teil national orientiert und daher fragmentiert, wodurch verschiedene Anforderungen an die Berichterstattung gestellt würden. Internationale Entscheidungen seien häufig nicht transparent und die Diskrepanz zwischen moralischen Erwartungen an die Vereinten Nationen und der machtpolitischen Realität führe häufig zu einem Verlust an Glaubwürdigkeit und einem Gefühl der Machtlosigkeit auf Seiten der Mitarbeiter_innen des UN-Sekretariats.

In der Diskussion wurde darauf verwiesen, dass zu selten zwischen „den zwei Vereinten Nationen“ unterschieden werde, d.h. der Arbeit des Sekretariats und der Arbeit der zwischenstaatlichen Gremien der Mitgliedstaaten. Zu häufig müsse der Generalsekretär als Schuldenbock dienen, Annan habe daher scherzhaft gemeint, „SG“ stehe für „scape goat“. Öffentlichkeitsarbeit müsse jedoch immer Chefsache sein, so Ingrid Lehmann, auch um Rivalitäten zwischen den verschiedenen Abteilungen zu überwinden. Insofern sei Kommunikationspolitik auch immer Machtpolitik.

(Gerrit Kurtz)

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Literaturempfehlung:
Ingrid Lehmann (2011): The Political and Cultural Dynamics of United Nations Media Scandals: from Waldheim to Annan, LSE Media Studies Working Papers 22, http://www2.lse.ac.uk/media@lse/research/mediaWorkingPapers/pdf/EWP22.pdf

 

 

 

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