2. Gesprächskreis

2. UN Studies-Gesprächskreis mit Dr. Julia Harfensteller, Co-Chair der UN Studies Association (09. Mai 2012 in Berlin)

Weltfrieden – Zur Evolution eines Konzepts in den Vereinten Nationen

Der Weltfrieden und eine Torte – was passen diese beiden Begriffe zusammen? Im Rahmen des 2. UN Studies-Gesprächskreises hat uns Dr. Julia Harfensteller dies erklärt.

Frieden zu schaffen sei das Hauptziel der VN bei ihrer Gründung gewesen, so Dr. Harfensteller. In den letzten Jahrzehnten habe sich der Friedensbegriff ausdifferenziert und sei zum Tortenboden, zur Grundlage und Basis der VN, geworden. Hierauf bauten nun andere Konzepte auf, die nicht von Beginn an mit Frieden in Verbindung standen oder auf konzeptioneller Ebene miteinander verbunden wurden, wie z.B. Entwicklung und Demokratie. Diese Konzepte könnte man sich daher als eine Art  Tortenbelag vorstellen, deren Grundlage Frieden sei. Dr. Harfensteller plädierte für eine noch stärkere Integration des Konzept des Friedens in die Politik der UNO  und zwar im Sinne eines Festsetzens in den Strukturen der Organisation.

Ihre Kernaussage lautete: Frieden ist nicht nur ein Konzept, sondern spiegelt sich in Strukturen und Handlungsweisen der Vereinten Nationen wider. Frieden als Wissensrahmen definiere die Ziele der UNO, werde von den Handelnden geteilt und findet sich entsprechend in den Strukturen. Bei der Betrachtung der Änderung des Friedensbegriffes über die Jahrzehnte gehe es daher nicht nur um die Untersuchung der Semantik, sondern um die Geschichte der UNO. Aus diesem Grund hat Dr. Harfensteller für die Untersuchung der Frage einen speziellen Ansatz entwickelt, in welchem sie die Untersuchung von Sprache und Handeln zusammenführt.

Auf der semantischen Ebene etablierte Konzepte sickerten langsam von der sprachlichen auf die Handlungsebene, und könnten schließlich zu Handlungsstandards  werden. Die UNO stelle damit Wissen und Handlungsstandards bereit, welche für Staaten von zunehmender Bedeutung seien. In der Diskussion wurde die Wechselwirkung zwischen dem Friedenskonzept als Fundament staatlichen Handelns und der Tatsache, dass dieses von den Staaten selbst geschaffen wurde, kritisch analysiert.

Darüber hinaus setze sich  Dr. Harfensteller in diesem Zusammenhang mit der Frage auseinander, was die UNO als solche sei.  Daher wollte sie wissen: Wie wird Sprache innerhalb von Internationalen Organisationen gedacht? Hier wies sie auf die Doppelrolle von Sprache hin, die sowohl Indikator als auch Faktor des Wandels in Organisationen sei.

(Julia Biermann)

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Literaturempfehlung: 
Harfensteller, Julia 2011: The United Nations and Peace. The Evolution of an Organizational Concept. Frankfurt am Main: Peter Lang Verlag.
Harfensteller, Julia 2012: Der Wandel der UN im Spiegel eines neuen Friedensverständnisses. In: VEREINTE NATIONEN, Heft 2/2012, Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen, S. 71-76.
 

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