CfP 2014

4. UN-Forschungskolloquium

Die Vereinten Nationen zwischen Fragmentierung und Kohärenz

9. bis 11. Mai 2014 am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE), Bonn

Veranstalter: AG Junge UN-Forschung in der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN)

Keynote: Dr. Stephan Klingebiel, Leiter der Abteilung Bi- und Multilaterale Entwicklungspolitik am DIE

Deadline für Abstracts: 28. Februar 2014, Einreichung der Papiere bis zum 25. April 2014

Das Kolloquium steht allen interessierten Teilnehmer/-innen offen, auch ohne eigenen Beitrag

Themenstellung

Unter den Leitbegriffen Fragmentierung und Kohärenz findet vom 9.-11. Mai 2014 das 4. UN-Forschungskolloquium in Kooperation mit dem DIE in Bonn statt. Diesem Thema liegt die Beobachtung zu Grunde, dass sich die Global Governance-Architektur hinsichtlich der Normen, der beteiligten Institutionen und Akteure sowie der politischen Ziele zunehmend ausdifferenziert. Dabei sollen gerade die Vereinten Nationen eine verstärkte internationale Zusammenarbeit herbeiführen. Im Kolloquium wollen wir den Ursachen, Effekten und politischen sowie normativen Implikationen nachspüren, die aus diesen Kohärenzbemühungen, aber auch parallelen Fragmentierungsprozessen resultieren. Unter Kohärenz verstehen wir Prozesse, die das Zusammenwirken verschiedener Akteure und Institutionen zur Erreichung gemeinsamer, übergeordneter Ziele anstoßen. Demgegenüber fassen wir unter Fragmentierung den Prozess der Differenzierung von Normen, Akteuren, Institutionen und politischen Zielen zusammen. Das Kolloquium möchte dazu beitragen, die Herausforderungen und Chancen dieser Prozesse mit Blick auf die Vereinten Nationen zu beleuchten.

Schwerpunkte

Das Kolloquium soll sich vornehmlich mit drei Schwerpunkten befassen, zu denen wir zu Beiträgen aufrufen. Darüber hinaus sind weitere Beiträge zu anderen Themen der UN-Forschung willkommen.

(1) Akteure und Institutionen

Das System der Vereinten Nationen ist ein weitverzweigtes Netz an Organen, Programmen, Institutionen und Missionen vor Ort. Die Institutionenvielfalt birgt Herausforderungen hinsichtlich der notwendigen Abstimmungs- und Koordinierungsprozesse, Verantwortlichkeiten und Schwerpunktsetzung. Verschärft wird dies durch zunehmende Proliferation und Diversifizierung von Akteuren in der internationalen Umwelt. So birgt die Einbeziehung von Nichtregierungsorganisationen Sprengkraft für traditionell zwischenstaatliche Verhandlungen in den Vereinten Nationen. Doch auch die Mitgliedsstaaten ziehen bei vielen Themen nicht an einem Strang. Die Zersplitterung der G-77 und der Aufstieg neuer Regionalmächte erzeugen zusätzliche Fragmentierungsdynamiken. Bei Friedensmissionen werden Partnerschaften zwischen den VN und Regionalorganisationen wie AU, NATO oder EU ausgeweitet. Daneben werden in immer kürzeren Abständen eine Reihe von Gerichten und gerichtsähnlichen Institutionen eingerichtet.

(2) Recht und Normen

Auch im Völkerrecht lässt sich seit einiger Zeit eine Fragmentierung beobachten. Verschiedene Rechtsregime kollidieren miteinander, ohne dass daraus resultierende Konflikte aufgelöst werden. Hier stellt sich die Frage, unter welchen Voraussetzungen man überhaupt von einem Normenkonflikt sprechen kann und wie mit diesem umzugehen ist. Schließt die Anwendung eines bestimmten Regelungsregimes – etwa des Investitionsschutzrechts – die Anwendbarkeit anderer Regime – etwa des Umweltvölkerrechts – aus oder lassen sich innerhalb dieser Vielzahl von Rechtsregeln Hierarchien bilden? Auch ist unklar, ob die Vermeidung von Fragmentierung wünschenswert ist, oder ob es nicht auch eine legitime Rolle für einen Rechtspluralismus gibt. Ob das Völkerrecht noch als eine einheitliche Rechtsordnung gesehen werden kann, steht damit auf dem Prüfstand. Ebenfalls offen ist das Verhältnis von Rechtsnormen und anderen, rechtlich unverbindlichen Regelungsregimes, wie etwa dem soft law in Form von Resolutionen der Generalversammlung oder Empfehlungen des Menschenrechtsrats.

(3) Politische Ziele

Die Vielzahl der Akteure und Institutionen führt häufig zu divergierenden politischen Zielen. Die organisatorische Eigenlogik erzeugt regelmäßig Spannungen zwischen Institutionen, die angrenzende Politikbereiche aus ihrer jeweiligen Perspektive betrachten. Dies trifft zum Beispiel auf Bildung (u.a. UNESCO, UNICEF, ILO) genauso zu wie auf den Schutz von Zivilisten (u.a. UNHCR, UNHCHR, UNICEF, ICRC). Gleichzeitig sollen Initiativen wie der Cluster-Rahmen in der humanitären Hilfe Zuständigkeiten klären und Kohärenz garantieren. Die Post-2015 Entwicklungsziele stellen derzeit den wichtigsten Versuch dar, das fragmentierte UN-System und die internationale Gemeinschaft auf gemeinsame politische Ziele festzulegen.

Organisatorischer Rahmen des Kolloquiums

Das 4. UN-Forschungskolloquium findet vom 9. – 11. Mai 2014 am DIE in Bonn statt. Es richtet sich an Nachwuchswissenschaftler/-innen und Studierende aller Fachrichtungen. Die Mitglieder der Nachwuchsgruppe Junge UN-Forschung in der DGVN kommen aus den Fachbereichen Völkerrecht, Internationale Beziehungen, Entwicklungspolitik und Soziologie. Das Kolloquium bietet die Gelegenheit, in lockerer Atmosphäre Forschungs- und Studienarbeiten aus dem Bereich der Vereinten Nationen vorzustellen und zu diskutieren. Durch den interdisziplinären Blick werden gängige Definitionen hinterfragt und empirische Probleme neu betrachtet.

Referenten/-innen reichen bitte bis zum 28. Februar 2014 ein Abstract (ca. 300-500 Wörter) zum Oberthema oder einem verwandten Thema der UN-Forschung ein. Eine Zusage erfolgt bis zum 7. März 2014. Die Frist für Einreichung der fertigen Papiere (max. 5.000 Wörter) ist der 25. April 2014.

Weitere interessierte Teilnehmer/-innen können sich bis zum 28. April 2014 verbindlich auf unserer Webseite anmelden.

Informationen und Anmeldeformular: http://www.uno-forschung.de

Kontakt: info[at]uno-forschung[dot]de und auf facebook

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