Transparenz und Partizipation nicht-staatlicher Akteure in Internationalen Regierungsorganisationen. Der Fall der Internationalen Atomenergieorganisation

Tobias Weise (Universität Bremen)

Abstract:

Seit den 1970er öffnen sich internationale Regierungsorganisationen (IRO) zunehmend. Anzeichen der Öffnung dieser Organisationen des globalen Regierens finden sich auf mindestens zwei Ebenen. Zum einen werden die Prozesse der Regelsetzung und Entscheidungsfindung zunehmend transparenter. Zum anderen wachsen die formalen und informellen Teilhabechancen nicht-staatlicher Akteure wie NGOs, Experten und Interessengruppen. Dieser Wandel ist der Ausgangspunkt von Forschungsarbeiten die sich fragen, wie, warum und wann  IRO sich öffnen.  Ein rationalistischer Forschungsstrang fragt dabei welchen Einfluss die Öffnung auf die Ressourcen einer Organisation hat. Die Grundannahme ist hier, dass IRO von den Fähigkeiten und dem Wissen nicht-staatlicher Akteure in ihren tagtäglichen Aufgaben profitieren. Eine weitere, konstruktivistische Forschungsliteratur geht hingegen davon aus, dass der Trend zur Öffnung durch einen neuen globalen normativen Bezugsrahmen hervorgerufen wird. Hier wird angenommen, dass dieser Bezugsrahmen Kernnormen wir Transparenz, Inklusion und Repräsentation als Grundbedingungen legitimen globalen Regierens festschreibt.

In meinem Papier stelle ich erstens einen analytischen Rahmen für die Analyse von Öffnungsprozessen vor, der Mechanismen beider Forschungsstränge verbindet. Zweitens wende ich dieses Analyseraster auf den Fall der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) an. Der Fall IAEO ist besonders spannend: als technisch-wissenschaftliche Organisation hat sie einen hohen Bedarf an Expertenwissen, als Organisation im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit  ist sie Forderungen nach Partizipation betroffener Gruppen ausgesetzt, als sicherheitspolitische Organisation wurde sie in den letzten Jahrzehnten zunehmend politisiert und in die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit gerückt.  Im Papier diskutiere ich die Phasen der Öffnung von der Gründung der Organisation bis heute. In einem zweiten Schritt stelle ich mögliche Erklärungen für die beobachteten Öffnungsmuster vor. Die Argumentation des Papiers stützt sich auf umfangreiche Dokumentenanalysen sowie Interview- und Archivmaterial.

Über den Autor:

Tobias Weise hat in Berlin und Potsdam Internationale Beziehungen studiert. Er arbeitet in der DFG geförderten Nachwuchsforschergruppe “Changing Norms of Global Governance” am Institut für Interkulturelle und Internationale Studien der Universität Bremen. In seinem Dissertationsvorhaben untersucht er die Transparenz und Partizipationsmöglichkeiten für nicht-staatliche Akteure in internationalen Regierungsorganisationen im Politikfeld Sicherheit.

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