Abschlussdiskussion: Zwischen Aufbruch und Beständigkeit

Julia Biermann

Ziel der Abschlussdiskussion war es, den Beitrag der einzelnen Arbeiten zum Oberthema des Kolloquiums herzustellen. Der Fokus auf den Begriff des Wandels, seine Akteure als auch auf Konzepte und Begriffe sollte noch einmal herausgearbeitet werden. Folgende Fragen haben die Teilnehmer_innen erarbeitet um die Abschlussdiskussion zu strukturieren:

BEGRIFF

Begriffsverständnis  Wandel – normative Implikationen oder analytisches Verständnis? Wandel als Anpassung an die Umwelt oder durch interne Lernprozesse?

 

AKTEURE

Wer sind die Akteure des Wandels? Sind die Vereinten Nationen eher Subjekt oder eher Objekt des Wandels? Sind Staaten oder die VN Organisationen Stichwortgeber des Wandels? Welche Rolle spielen dabei externe Akteure?

 

KONZEPTE UND INSTRUMENTE

Wie können Konzepte und Instrumente voneinander abgegrenzt werden? Wie ist es um die Offenheit oder Resistenz bzgl. neuer Ideen bestellt?

 

Hinsichtlich des Verständnisses von Wandel wurde der Zusammenhang von neuen Begriffen und Konzepten (z.B. R2P) und der Veränderung der Realität kritisch diskutiert – hat sich die Realität verändert oder das Bewusstsein?

Ein Zusammenhang  zwischen diesen beiden Punkten konnte erarbeitet werden: Wandel beginnt mit einem Diskurs, welcher wiederum aus einem veränderten Bewusstsein resultiert.

Der Begriff Wandel wurde zunächst neutral verstanden, da er lediglich Veränderung beschreibt. Allerdings zeichnete sich in der Diskussion eine Kontroverse darüber ab, ob mit dem Begriffsgebrauch nicht doch ein immanenter normativer Gehalt verbunden sei. Oft wird Wandel im Sinne eines „positiven Wandelns“ zu „besseren“ Umständen, Resultaten etc. verstanden. Neuralgischer Punkt der anschließenden Diskussion war der Gehalt des Normativen in der Forschung und das Verhältnis zwischen analytischem Anliegen und normativer Absicht. Zum einen sei der Versuch, eine faktische Veränderung in der Welt zu fassen und wissenschaftlich zu konzeptualisieren bereits durch die Wahl des Analysefokus bestimmt und damit auch mit normativen Implikationen verbunden. Auf der anderen Seite sei bereits das Entstehen einer Norm Teil eines Wandlungsprozesses, was es erschwere einen analytischen Rahmen zu entwickeln. Die Analyse des Wandels enthalte dadurch immer sowohl analytische als auch normative Aspekte. Dies erfordere eine Reflexion über die eigenen Perspektive, und damit darüber, was bewertet werde könne und sollte.

Die Diskussion über Fächergrenzen hinweg war hier besonders fruchtbar, da diese zum einen zu Begriffsklärungen herausforderte um die interdisziplinäre Verständigung zu ermöglichen. Zum anderen konnte die Perspektive auf empirische Wandlungsprozesse hierdurch erheblich erweitert werden.

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