UN Studies als Forschungsfeld

Julia Biermann

„UN Studies – Herausforderungen eines neuen Forschungsfeldes“ – so lautete der Titel des Eröffnungsvortrages von Dr. Henrike Paepcke, Co-Chair der UN Studies Association. 2007 gegründet sind mittlerweile über 100 Experten weltweit  Mitglied der UN Studies Association (UNSA), wobei sich der aktive Kern auf 20 Mitglieder begrenzt. Der Fokus der Arbeit liegt auf einem fachlichen Austausch und der Entwicklung eines UN Studies-Forschungsprogrammes.

Mit einer Bestandsaufnahme zur Forschung im Bereich UN Studies führte Dr. Paepcke in das Forschungsfeld ein. Forschung zum Thema Vereinte Nationen finde im Moment in einer unüberschaubaren Forschungslandschaft statt. Die Schwierigkeit bestehe darin, Gemeinsamkeiten in der Herangehensweise und den theoretischen Zugängen zu finden. Zudem sei die Forschung durch einen mangelnden Zugang zu UN-Experten, mangelnden Austauschmöglichkeiten mit anderen (Nachwuchs-) Forschern und die fehlende Anerkennung von UN Studies als eigener Disziplin gekennzeichnet.

Dr. Paepcke unterschied daher zwei Stränge und Herangehensweisen zur Erforschung der Vereinten Nationen und deren Arbeit. Als “UN-related studies” benannte sie die zum Beispiel die Forschungsbereiche Internationale Beziehungen, Global Governance oder Internationale Organisationen. Diese Forschungsbereiche beschäftigten sich mit globalen Herausforderungen und Problemen, ihren Akteuren, Themen und Feldern aus Sicht ihrer jeweiligen Fachdisziplin. Dies resultiere in verschiedenen Sichtweisen, theoretischen Ansätzen, methodischen Werkzeugen und Begriffsverständnissen. UN Studies zeichneten sich dahingegen dadurch aus, dass im Fokus die Vereinten Nationen stünden.  Damit verbunden sei die Entwicklung eines eigenständigen Forschungsfeldes mit Theorie, Methodik, Sprache und Themen, bis hin zu einem eigenständigen UN Studies Curriculum. Bisher zeichne sich die Forschung zur UN durch eine unklare Abgrenzung zu anderen Disziplinen aus. Zudem mangle es an einer Systematik des Wissens über die UN. Die Forschung sei häufig zu deskriptiv und kaum theoretisch unterfüttert als auch auf wenige Themen, Fragen und Aspekte konzentriert. Außerdem lasse sich eine zu geringe Einbindung von Praktikern feststellen. Gerade der Austausch und das Lernen innerhalb der Forschungsgemeinde und mit Praktikern sei eine Herausforderung, der sich die Entwicklung einer eigenständigen Forschungsdisziplin UN Studies stellen müsse. Die interdisziplinäre Forschung in diesem Bereich müsse sich durch innovative Konzepte, eigene Ansätze und Methoden auszeichnen. UNSA habe dazu ein Konzept mit dem Titel „Framing a concept of UN Studies“ entwickelt.

Neue Forschungswege könnten sich folgenden Feldern widmen: Prozesse und Wandel in der UN, UN Akteure, UN und Management, Beziehungen zwischen den UN und anderen globalen Akteuren, UN als Wissensorganisation, Rolle von Sprache, interne/ externe Sichtweisen.

Zentrale Fragen, die sich jeder Forscher stellen müsse, seien: Aus welcher Sichtweise betrachte ich die UNO? Inwiefern wirkt sich meine Sichtweise auf mein theoretisches Fundament, meine Methodologie, Terminologie und Ergebnisse aus? Wie kann ich die UNO mehr in den Mittelpunkt stellen und stärker interdisziplinär arbeiten? Wie binde ich die Praxis ein? Wie kann ich mich besser in der Forschungsszene vernetzen?

Zum Schluss des Vortrags unterstrich Dr. Paepcke die einmalige Chance zum Austausch über UN Studies und damit verbundenen inhaltlichen und organisatorischen Fragen im Rahmen des Kolloquiums. Sie empfiehlt den Kontakt sowohl zu UN-Praktikern als auch zu UN Studies-Institutionen aufzubauen. Gemeinsam müsse man an den Grundlagen des Forschungsgebietes UN-Studies arbeiten.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *