Einleitung

Gerrit Kurz

Je tiefer Studierende in ihr Fach mit Voranschreiten ihres Studiums eindringen, umso größer wird das Verlangen nach fachlichem Austausch, der jedoch durch eben diese Spezialisierung erschwert wird. In den Sozial-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften beschäftigen sich an den jeweiligen Universitäten in Deutschland nur wenige Studierende, Doktoranden und Forscher mit den Vereinten Nationen. Aus diesem Grund schien uns ein deutschlandweiter Austausch von fortgeschrittenen Studierenden und Doktoranden in diesem Bereich der „UN Studies“ mehr als angezeigt.

Dabei sind „UN Studies“ noch ein relativ junges Forschungsfeld, insbesondere in Deutschland. Gleichwohl es bereits kurz nach Gründung der Vereinten Nationen erste Systematisierungsbemühungen vor allem in den USA gab, waren diese in der Regel sehr institutionenkundlich und eher deskriptiv geprägt (Fröhlich 2006). In Deutschland beschäftigten sich vor allem einzelne Wissenschaftler mit Institutionen und Aufgaben der Vereinten Nationen. Der von Helmut Volger gegründete „Forschungskreis Vereinte Nationen“ versucht seit dem Jahr 2000 UN-Forscher zunächst jährlich, mittlerweile alle zwei Jahre zusammen zu bringen.

Von Anfang an waren auch junge Menschen, Studierende und Doktoranden Teil dieser Bemühungen. An den DGVN-Fachkonferenzen 2005 und 2006 zur UN-Forschung nahmen Studierende teil, die sich einen institutionalisierten Austausch zwischen der stetig wachsenden Anzahl von UN-Hochschulgruppen und Vereinen junger Menschen wünschten. Die Idee zur Gründung des Jungen UNO Netzwerk Deutschland e.V. (JUNON) führte direkt zu seiner Gründung im Dezember 2005. Daher ist es äußerst passend, wenn die AG Forschung und Lehre von JUNON den Versuch unternimmt, die „UN Studies“ Agenda wieder neu zu befeuern.

Die Idee des JUNON-Forschungskolloquiums, dessen Ergebnisse im Folgenden präsentiert werden, beruht auf diesen Überlegungen und der Erfahrung, dass der persönliche Austausch zwischen den Betroffenen meistens die fruchtbarsten Ergebnisse liefert. Insbesondere angehende Wissenschaftler werden (noch zu) selten in die Fachkonferenzen von Lehrstuhlinhabern eingebunden. Dabei ist ein differenziertes fachliches Feedback über den jeweiligen Betreuer hinaus häufig sehr wertvoll und kann die sich daran anschließende Diskussion neue Anknüpfungspunkte für alle Beteiligten liefern. Schließlich kann gerade auch der horizontale und informellere peer-to-peer Austausch eine offene Diskussionsplattform liefern.

An dem Forschungskolloquium, das vom 17. – 19. Juni 2011 in Berlin stattfand, nahmen insgesamt 19 Studierende und Doktoranden teil, einschließlich der anwesenden Mitglieder der AG Forschung und Lehre. Sie kamen aus Städten wie München, Hamburg, Jena, Bayreuth oder Greifswald und studierten überwiegend Politikwissenschaft, aber auch Wirtschafts-, Rechts- und Kulturwissenschaft waren vertreten. Die meisten beschäftigten sich gerade mit ihrer Abschlussarbeit, sechs befinden sich in der Promotionsphase.

Das Kolloquium bestand zum einen aus sechs Fachvorträgen über Abschlussarbeiten und Promotionsvorhaben, zum anderen aus einem bedeutenden Anteil an angeleiteter Diskussion über Ziel und Gegenstand von „UN Studies“, angeregt und bereichert durch zwei externe Vorträge. Wir waren uns einig darin, dass „UN Studies“ eher ein Forschungsgegenstand und eine bestimmte Perspektive bezeichnen als eine eigene Disziplin. Eine weitergehende Eingrenzung wird sich neben der fortlaufenden Diskussion vor allem aus der Forschungspraxis ergeben müssen. Hierfür stehen exemplarisch drei verschriftlichte und zusammengefasste Vorträge in der Dokumentation. Außerdem finden sich unsere Zusammenfassungen der beiden Fachvorträge von Dr. Henrike Paepcke, Co-Vorsitzende der UN Studies Association (UNSA) und von Prof. Dr. Andrea Liese, Universität Potsdam und Mitglied des DGVN-Forschungsrats, ein Überblick über die deutsche Forschungslandschaft und ein auf der Diskussion des Forschungskolloquiums aufbauender Aufsatz zur Definition, spezifischen Herausforderungen und Ideen für die Forschung und Lehre der UN Studies in dieser Dokumentation.

Die in dieser Dokumentation festgehaltenen Diskussionen und Überlegungen sollen Anknüpfungspunkte und Anregungen für eine weitere Beschäftigungen mit den Vereinten Nationen und „UN Studies“ durch Studierende und Doktoranden liefern. Sie sind daher nicht abschließend gedacht, sondern sollen den Stand der Diskussion auf dem Forschungskolloquium festhalten.

Zum Schluss bleibt noch den beteiligten Institutionen und Personen ganz herzlich zu danken: Dr. Henrike Paepcke und Prof. Dr. Andrea Liese für ihre informativen Vorträge, dem Auswärtigen Amt und dem Deutschen Institut für Menschenrechte für die Räumlichkeiten sowie der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) für die finanzielle Unterstützung des Kolloquiums.

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