VN-Politik als Außenpolitik

VN-Politik als Außenpolitik: Skizze eines Analyserahmens am Beispiel des Politikfeldes Friedenssicherung

Christian Stock

Aus Sicht der Staaten ist VN-Politik Teil der Außenpolitik. Die VN-Forschung hingegen konzentriert sich überwiegend auf Prozesse und Policies auf der VN-Ebene. Für ein tieferes Verständnis dafür, warum ein Staat wie in einem bestimmten Politikfeld handelt, ist ein Forschungsrahmen notwendig, der die entscheidenden Faktoren beider Ebenen erfasst. Im vorliegenden Beitrag wird solch ein Rahmen durch die Verbindung einer Policy-Analyse mit einer Außenpolitikanalyse geschaffen. Um beide Ebenen analytisch fruchtbar zu verbinden, bedarf es einer theoretischen Verknüpfung der verschiedenen Elemente (die hier durch das Analyseschema in VN- und in die nationale Ebene vorgruppiert sind). Als sinnvolle Verbindung bietet sich das Two-Level-Game von Robert Putnam an. Hierbei geht es in der ursprünglichen Fassung um den analytischen Zusammenhang zwischen der internationalen und der nationalen Ebene im Kontext internationaler Verhandlungen. Zentral ist dabei die Idee sogenannter Win-Sets. Sie stehen bei Putnam für die Menge aller potenziellen Verhandlungsergebnisse auf der internationalen Ebene, die auf der nationalen Ebene zustimmungsfähig sind. Dies gilt grundsätzlich für einzelne Verhandlungen genau so wie für kontinuierliche Außenpolitik. Die Analyse des Win-Sets ermöglicht Aussagen über die Position eines Landes auf der internationalen Ebene im untersuchten Politikfeld. Gerade wenn es um – politisch wie materiell – kostenintensive Politiken geht, erlaubt die Analyse des Win-Sets zudem Rückschlüsse auf die Legitimität dieser Politiken auf der nationalen Ebene. Schließlich lassen sich in diesem Ansatz auch die Verhandlungsführung und die Verhandlungsführer berücksichtigen. Für einen ersten empirischen Test wird die Außenpolitik Nigerias bezüglich der VN-Friedenssicherung untersucht. Das Forschungsinteresse fokussiert insbesondere auf die Rolle Nigerias als Truppensteller. Der vorgestellte Forschungsrahmen erweist sich als gut geeignet für die Erfassung der relevanten Akteure, Normen und Strukturen. Die Analyse des Win-Sets ist ebenfalls aufschlussreich, da dadurch ein Wandel erfassbar wird: Während das Land unter der lange andauernden Militärherrschaft sehr bereitwillig Blauhelme stellte, hat die Veränderung des Legitimationsrahmens auf der nationalen Ebene – die Etablierung einer zivilen Regierung – dazu geführt, dass die Entsendung von Truppen kritischer geprüft wird.

Zur Person:
Christian Stock (*1982) studierte Politikwissenschaft, Philosophie und Volkswirtschaftslehre in Würzburg und arbeitet derzeit an seiner Dissertation, die von Prof. Johannes Varwick betreut wird. Der Beitrag steht in Verbindung zu diesem Projekt, in dem die Politik der Truppenstellerstaaten des globalen Südens am Beispiel dreier prominenter Vertreter – Bangladesch, Indien und Nigeria – untersucht wird.

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