Individuum und Weltorganisation in Jena

Manuel Fröhlich, Dorothea Prell und Patrick Rosenow

Die Professur für Internationale Organisationen und Globalisierung an der Friedrich-Schiller Universität Jena beschäftigt sich bereits seit einiger Zeit mit der Beziehung zwischen der Weltorganisation und der Rolle des Individuums, z.B. des UN-Generalsekretärs. Seit Ende 2011 läuft das Forschungsprojekt „Individuelle und Internationale Führungsfähigkeit: Die Sondergesandten des UN-Generalsekretärs und die Wahrung des internationalen Friedens und der Sicherheit“, das von der Deutschen Stiftung Friedensforschung (DSF) gefördert wird, unter der Leitung von Prof. Dr. Manuel Fröhlich.

Die Sondergesandten (Special Representatives of the UN Secretary-General, SRSGs) sind Persönlichkeiten, die vom UN-Generalsekretär ernannt werden, um verschiedene Funktionen in den Bereichen des Peacemaking, Peacekeeping und Peacebuilding zu erfüllen. Sie arbeiten entweder in einer konkreten Konfliktsituation auf der ganzen Welt oder widmen sich transregionalen Angelegenheiten wie der Bekämpfung des Klimawandels oder des Verbots von Kindersoldaten. Ihre Aktivitäten reichen dabei von diskreten Vermittlungsbemühungen, über die Führung einer Friedensmission bis hin zur Leitung der Übergangsverwaltung innerhalb eines Landes. Sowohl ihre Anzahl als auch die ihnen anvertrauten Aufgaben haben in den letzten beiden Jahrzehnten signifikant zugenommen, so dass sich die SRSGs inzwischen als ein Hauptinstrument in der Arbeit der Vereinten Nationen in ihrem gemeinsamen Streben nach internationalem Frieden und Sicherheit etabliert haben. Das Projektvorhaben basiert auf einem von der DSF geförderten Pilotprojekt, das u.a. die erste umfassende Datenbank der SRSGs seit 1946 zum Ergebnis hatte.

Von dieser Grundlage ausgehend, konzentriert sich das Projekt in der Untersuchung der Rolle der SRSGs auf einen wesentlichen Bestandteil der Aktivitäten von SRSGs: Sowohl die jüngsten Untersuchungen als auch praktische Felderfahrungen unterstreichen eindeutig die Relevanz, die Notwendigkeit und die Bedeutung von Führungsfähigkeit (Leadership) der SRSGs. Individuelle Führungsfähigkeit wird als ein entscheidender Faktor betrachtet, der den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg von internationalen Bemühungen um Frieden und Sicherheit bedeuten kann. So allgegenwärtig wie Leadership seitens der SRSGs gefordert und postuliert wird, so  schwer ist dieses Konzept bisher näher zu fassen und zu analysieren. Vor diesem Hintergrund zielt die grundlegende Forschungsfrage des Projektes darauf ab, die Ressourcen, Möglichkeiten und Restriktionen individueller Leadership der SRSGs in ihrem Streben nach internationalem Frieden und Sicherheit zu identifizieren. Für die Zwecke des Forschungsvorhabens wird Leadership mit Blick auf die spezifische Natur der SRSG-Leadership und der Kontexte, in denen sie agieren, operationalisiert.

Der Forschungsrahmen konzentriert sich auf die Identifikation und Analyse dreier Leadership-Arenen in denen die SRSGs: 1. gegenüber dem UN-Sicherheitsrat, 2. gegenüber den Parteien eines Konfliktes sowie 3. gegenüber den diversen Komponenten einer bestimmten Friedensmission im Feld agieren. Jede der Arenen wird durch ihren jeweiligen Fokus auf eine Reihe von bestimmten Aufgaben und Aktivitäten unter Verwendung eines spezifischen theoretischen Hintergrundes genauer beschrieben und analysiert. Jede Arena wird dabei in speziellen Workshops mit Beiträgen von akademischen Experten und Praktikern gesondert untersucht. Am Ende soll eine Übersicht der Ressourcen, Möglichkeiten und Restriktionen der SRSGS, eine  politische Bewertung der Rolle von SRGSs für den Schutz des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit sowie ein theoretisch-konzeptioneller Beitrag zur Rolle von Leadership allgemein stehen.

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