Aus dem Schatten von Roosevelt

Aus dem Schatten von FDR – Die Rolle des amerikanischen Außenministers bei der Gründung der Vereinten Nationen

Frank Kaltofen

Bei der Betrachtung der US-amerikanischen Bemühungen zur Schaffung der Vereinten Nationen steht meist die Person von Präsident Roosevelt im Fokus. Die Beiträge anderer amerikanischer Akteure, die an den Vorbereitungen und der Schaffung der UNO mitgewirkt haben, werden hingegen oft vernachlässigt.

War FDR derjenige, der den Plan für eine neue, diesmal erfolgreiche Weltorganisation zur Sicherung des Friedens prominent nach außen vertrat und wohl wie kein anderer Politiker verkörperte, wurden doch die konkreteren, inhaltlichen Ideen nicht vom Präsidenten, sondern im Außenministerium, damals unter der Führung von Cordell Hull, ausgearbeitet. Diese bildeten die Grundlage für die Verhandlungen in Dumbarton Oaks (1944) und die UN-Gründungskonferenz in San Francisco (1945). Die dortigen Feinabstimmungen fanden unter dem Vorsitz von Edward R. Stettinius jr. statt, der Ende 1944 Hull als Außenminister abgelöst und bereits in Dumbarton Oaks sowie beim Gipfeltreffen der „Großen Drei“ in Jalta eine wichtige Rolle gespielt hatte. Stettinius war in San Francisco Chef der US-Delegation und gleichzeitig Vorsitzender der Konferenz. Nach dem Tod Roosevelts hatte Stettinius dem neuen Präsidenten eigentlich sein Rücktrittsgesuch übergeben; Truman hatte ihn allerdings gebeten, bis zur Vollendung der Konferenz in San Francisco im Amt zu bleiben. Truman, der in der kurzen Zeit seiner Vizepräsidentschaft kaum Einblicke in die Details von Roosevelts Nachkriegsplanung bekommen konnte, musste sich, viel mehr als FDR, auf die außenpolitischen Mitarbeiter verlassen, die ihn diesbezüglich beraten konnten. Dieser geänderte, konsultativere Stil bedeutete zwar eine erste Abkehr von Roosevelts Art der Amtsführung, war jedoch für den neuen Amtsträger unvermeidlich.

Das Wirken von Edward Stettinius ist also im Kontext der Gründung der Vereinten Nationen gleich in mehrfacher Hinsicht interessant, auch wenn es bisher kaum eigens Beachtung gefunden hat, sondern oft im Schatten des großen Staatsmannes Roosevelt stand. Im Rahmen des Kolloquiums würde mein Vortrag daher darauf zielen, die bisher eher stiefmütterlich behandelte Rolle des Außenministers als Wegbereiter der VN in den Blick zu nehmen.

Zur Person:
Frank Kaltofen (Jg. 1988) hat in Jena Politikwissenschaft, Soziologie
und Erziehungswissenschaft studiert. Derzeit bereitet er seine Promotion
zu Aspekten der amerikanischen UN-Politik vor.

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